Dem Pioniereinsatz folgt Verbraucherengagement

In der Pionierphase der Luxemburger Bio-Vermarktungsinitiativen (vgl. Chronologie) brachten die damaligen Gründer-Landwirte der BIOG-Genossenschaft persönlich das Startkapital ein. Um dann das erste Gemeinschaftsprojekt, eine Hofkäserei, zu finanzieren, benötigte man jedoch einen Bankkredit, den die Bank aber nur unter der Voraussetzung vergab, dass jedes einzelne BIOG-Mitglied sich privat für den gesamten Darlehensbetrag verbürgte. Natürlich warf dies auch menschliche Probleme auf.

Als anfangs der 90er-Jahre der NATURATA-Laden im Rollingergrund seine Geschäfte aufnahm, wurde mit der deutschen GLS-Bank, die Vorreiter im alternativen Bankgeschäft war, eine Leihgemeinschaft mit etwa 40 Darlehensgebern gegründet, um den ersten Warenbestand zu finanzieren. Von da an hegten die Gründer die Idee, dass ein finanzieller Einsatz von Verbraucherseite unabdingbar ist, um den Bauern die Schaffung eigener Vermarktungsinstrumente zu ermöglichen.

Bedingt durch den dann doch sehr schnellen Aufbau der Betriebe, wurden in den Folgejahren immer wieder Bankkredite zur Finanzierung anstehender Projekte aufgenommen. Um derartige Darlehen zu bekommen, benötigt man aber in der Regel einen beachtlichen Teil an Eigenkapital. Weil in den 90er-Jahren die Gewinne der Betriebe äußerst bescheiden waren, konnte dieses Eigenkapital aber nicht über Rücklagen gebildet werden. Ein wichtiger Aspekt der Finanzierung war deshalb die systematische Beteiligung der Kundinnen und Kunden.

Ende der 90er-Jahre wurde erstmals eine öffentliche Zeichnung von Kapital vorgenommen, um den ersten Bauabschnitt des OIKOPOLIS-Zentrums in Munsbach zu finanzieren. Eine zweite öffentliche Zeichnung fand 2006 statt, um die Mittel für das zweite OIKOPOLIS-Gebäude zusammenzubekommen. 2013 wurden weitere Anteile öffentlich zur Zeichnung angeboten, um den weiteren Ausbau des OIKOPOLIS-Netzwerks mitzufinanzieren.

Schon 2005 hatte man mit Gründung der OIKOPOLIS Participations SA ein Instrument geschaffen, über das solche Eigenmittelbeschaffungen strukturell einfach möglich sind. Beide letztgenannten öffentlichen Zeichnungen wurden über diese Beteiligungsgesellschaft durchgeführt. Ob Kunde, Landwirt oder Mitarbeiter - jeder konnte und kann sich bis heute über den Kauf von Aktien an dieser Gesellschaft beteiligen. So kann jeder Interessierte zum Miteigentümer fast aller Betriebe der Unternehmensgruppe werden.